OSKAR HOLWECK I ART KARLSRUHE 2026

Oskar Holweck (2024 - 2007) gilt nicht nur in Fachkreisen als „Pionier der Papierkunst in Europa“ (Britta Kuth). Denn kaum ein anderer Künstler hat das Papier als künstlerisches Material derart konsequent und beharrlich erforscht wie der 1924 im saarländischen St. Ingbert geborene Künstler. Und selten drängt sich der Gedanke der Kontinuität so auf wie bei Holweck. Zugleich aber ist sein Werk geprägt von der „Vielfalt formaler Entdeckungen, die aus einer bewusst begrenzten und kontrollierten Basis hervorgehen“ (Hans-Peter Riese).

Sein Hauptanliegen ist es „dem Material Formen seiner eigenen Art abzugewinnen“… und dabei die Wirkung des Lichtes auf Oberflächen, in Hohlräumen und durch die Eigenschaften von Werkstoffen zum Ausdruck bringen. Seine künstlerischen Methoden scheinen dabei fast grenzenlos. Reichen diese doch „vom Biegen, Knicken, Knüllen, Falten, Knittern, Drücken, Pressen, über Stauchen, Strecken, Ritzen, Durchstoßen, Reißen, Schlitzen, Schneiden, Kleben, Klopfen, Schlagen, Bohren, Sägen bis hin zum Sengen, Erhitzen, Brennen“ (Oskar Holweck). Dabei unterzieht Holweck das Papier einem Destruktionsprozess, mit dem es ihm gelingt, es in immer neue materielle Zustände zu überführen, in denen sich das faszinierende Spiel von Licht und Schatten entfalten kann. Unterstrichen wird dies durch die weitgehende Konzentration auf die weiße Farbe des Papiers. Holweck bringt damit, wie Hans-Peter Riese konstatierte, die Materialität des Werkstoffs Papier zu sich selbst. Und so ist es auch richtig, dass es Holweck grundsätzlich um „die Erforschung des Sichtbaren und um das Sichtbarmachen von Seinszuständen geht - um das Sehen und Sehen-Können“.

Dabei geht es um die Wahrnehmung minimaler Unterschiede, denn so konzeptuell sein Vorgehen ist und so oft er auch in Serien arbeitet, so unterscheiden sich doch alle seine Arbeiten durch die händische Bearbeitung in den Details, die dem einzelnen Werk im Sinne Walter Benjamins eine eigene Aura verleihen. Durch die manuelle Technik entstehen feine Unregelmäßigkeiten in den daraus resultierenden Strukturen, denen ein mediatives Moment innewohnt, das den Betrachter einlädt, sich in die Arbeit zu vertiefen.   

Oskar Holweck, der in Saarbrücken und Paris studierte, begann seine künstlerische Laufbahn zunächst mit expressiven Tuschezeichnungen, die ihre Wurzeln im Infomel haben. Doch schon Ende der 1950er Jahre entstanden erste konzeptuelle Tuscharbeiten, in denen das Papier nicht mehr nur als Träger, sondern als gleichberechtigter Partner der Tusche fungierte - und 1958 sogar erste Papierreliefs. Seitdem lotet Holweck konsequent die Möglichkeiten des Papiers als Material aus. Seine Nähe zur Gruppe ZERO ist unverkennbar und so war es auch folgerichtig, dass er von1958 -1966 in der aktiven Zeit der Gruppe ZERO zu beinahe alle wichtigen Zeroausstellungen eingeladen wurde. Seine Werke wurden seitdem in über 400 Ausstellungen in Europa und den USA gezeigt. 1959 und 1972 wurde er zur documenta eingeladen, doch lehnte er die Teilnahme beide Male aus persönlichen Gründen ab. Seine Werke sind in zahlreichen internationalen Museen und privaten Sammlungen zu finden.  

Neben seiner künstlerischen Tätigkeit war Oskar Holweck auch in der Lehre tätig. Nach einiger Zeit als kommissarischer Leiter der Grundlehre wurde Holweck 1956 hauptamtlicher Leiter der Grundlehre an der Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk in Saarbrücken, eine Funktion, die er auch nach der Umbenennung der Schule in Werkkunstschule, Fachbereich Design, und nach deren Eingliederung in die Hochschule der Bildenden Künste Saar im Jahre 1989 innehatte. 1972 wurde er zum Professor ernannt. 1972 erfolgte die Ernennung zum Professor. 

Holweck knüpfte in der Grundlagenlehre an die Prinzipien des Bauhauses an und übersetzte sie in seine Zeit. Ausgehend von wahrnehmungsphänomenologischen Untersuchungen entwickelte Holweck eine sinnliche und zugleich begriffliche Systematisierung der künstlerischen Grundlagenlehre als Grammatik der menschlichen Sinnesfähigkeit. (Institut für aktuelle Kunst, Saarlouis).

2007 starb Oskar Holweck hoch geehrt. 

Oskar Holweck
1977
3 IX 77 / 1a
Collage/Décollage, ledger paper, 7-ply, mounted on offset, framed
70 x 70 cm
€14,000.00
Oskar Holweck
1983
16 VIII 83 / 4
Torn relief, Bristol cardboard, framed, museum glass I Reißrelief (RR), Bristolkarton, gerahmt, Museumsglas, perfect condition
70 x 70 x 2 cm
€14,000.00
Oskar Holweck
1969
2 / 7 V 69
Tornrelief, framed ,museum glass I Reißrelief, gerahmt, Museumsglas, perfect condition
100 x 70 cm
€16,000.00
Oskar Holweck
1979
17 III 79 / 3
Reißgrafik, Tusche auf Transparentpapier, auf Offset, montiert, gerahmt
100 x 70 cm
€16,000.00
Oskar Holweck
1985
22 XI 85 / 2
Tusche auf Offset, gerahmt
30 x 30 cm
€2,600.00
Oskar Holweck
1985
17 XI 85 / B8
Graphit auf Transparentpapier, auf Offset, am oberen Rand umgeschlagen, rückseitig fixiert, gerahmt
30 x 30 cm
€2,600.00
Oskar Holweck
1985
17 XI 85 / A11
Graphite on transparent paper, on offset, folded at the upper edge, fixed on the back, framed
30 x 30 cm
€2,600.00
Oskar Holweck
1985
17 XI 85 / A10
Graphite on transparent paper, on offset, folded at the upper edge, fixed on the back, framed
30 x 30 cm
€2,600.00